Nun ist sie also fertig, meine Arbeit…
...bleibt am Ende die Frage, zu welchen Ergebnissen ich letztlich gekommen bin?
Ziel war es für mich vor allem, einen Überblick zu geben über das Open Source Thema im Allgemeinen und was sich daraus für Möglichkeiten für den Unternehmer ergeben.
Initial für den Open Source Gedanken im Marketing ist zunächst mal die Entwicklung des Verbrauchers weg vom blinden Konsumenten hin zu einem emanzipierten Teilhaber, der am Markenerfolg aktiv mitwirken will. Und zwar aktiver als er dies durch den bloßen Konsum eines Produktes tut. Er möchte Inhalte und Produkte mitgestalten, die dadurch zum Einen mehr seinen Vorstellungen entsprechen, zum anderen ihn als einen lebendigen Teil der Marke in Erscheinung treten lassen.
Wie kann ein Unternehmer diese Wendung für sich nutzen? Indem er den Open Source Gedanken in seinen Marketing Aktivitäten lebt: durch eine clevere Verknüpfung des neuen Selbstbilds des Verbrauchers und er gewandelten Marktbedingungen einerseits mit modernen Technologien andererseits. Communities, Blogs, Lizenzmodelle sind die wesentlichen Instrumente, mit denen er in diesem neuen - vorwiegend virtuellen Umfeld - agieren kann.
Damit hat er die Möglichkeit, seinen Marketing-Mix neu zu gestalten. Vor allem die Bereiche Produktentwicklung (Open Innovation) und Kommunikation (Consumer Generated Media) lassen sich gemeinschaftlich mit den Verbrauchern revolutionär verändern und vorantreiben.
Die Chancen, die der Markt bietet - offenere Verbraucher, Technologien, Globalisierung, leichter Zugang zu neuen Medien und Informationen - lassen sich aber auch gleichermaßen als Risiken werten. Dann nämlich, wenn der emanzipierte Verbraucher zu kritisch wird; wenn sich keine geschönten Werbereklamen mehr durchsetzen können, weil der User Zugriff auf einen unendlichen Informationspool hat, durch den er reale Tatsachen abrufen kann; oder dann, wenn der Konsument Ärger und Frust schneller als jemals weitergeben und verbreiten und damit Kaufentscheidungen von hunderten anderen Konsumenten beeinflussen kann.
Open Source Marketing kann helfen, diesen Chancen und Risiken des Marktes zu begegnen. Die Vorteile liegen ganz klar in der Möglichkeit, Verbraucher ihren Wünschen entsprechend einzubeziehen, damit authentischere Marken zu schaffen; Marken und Produkte entwickeln sich entsprechend den Verbraucherbedürfnissen, Kosten für Fehlentwicklungen lassen sich senken, Marktbedürfnisse kurzfristig und flexibel erfüllen; auch mit kleinen Budgets können plötzlich wirkungsvolle Marketingmaßnahmen realisiert werden.
Allerdings hat der Open Source Ansatz auch noch mit einigen Schwächen zu kämpfen: durch Open Source macht ein Unternehmen sich abhängig von der Community. .Eine dauerhafte und effiziente Arbeit der Community ist allerdings nicht gewährleistet und hängt stets stark vom Unternehmen bzw. der Markenidentität ab. Des Weiteren stellt sich immer wieder die Frage, inwiefern es sinnvoll und Ziel führend ist, in einem Konzern basisdemokratisch Entscheidungen zu treffen und inwiefern es überhaupt zu Entscheidungen kommen kann, wenn die breite Masse mitbestimmt. Kritiker bringen auch immer wieder das Argument an, dass der Open Source Gedanke langfristig innovationshemmend („Durchschnittlichkeit auf Kosten der Innovation“) sein muss, denn kein Unternehmen wird langfristig in F&E investieren, um die Erkenntnisse offen ins Netz zu stellen und somit Wettbewerber freien Zugriff auf teure Forschungsergebnisse zu geben. Ohne Investitionen aber gibt es auf lange Sicht keinen Fortschritt. Auch die Frage nach der Kontrolle über die eigene Marke stellt sich: gibt man die Entwicklung und Kommunikation in die Hand der User, so kann es leicht zu Verwässerung des ursprünglichen Markengedankens / der Markenphilosophie kommen.
Argumente, die gerade den Shareholder einem Open Source Konzept kritisch gegenüberstehen lassen.
Dennoch bin ich der Überzeugung, dass der Open Source Gedanke langfristig einen Platz in den Marketing Plänen gewinnen kann/wird. In welchen Ausmaßen und mit welchen Funktionalitäten muss freilich von jedem Unternehmen selbst abgeschätzt werden. Gänzlich ausblenden aber sollte man diese Strömung nicht, im Gegenteil sollte sich der Marketer auf jeden Fall Gedanken machen, inwiefern er diese neuen Möglichkeiten für seine Marke nutzen kann.
So mein Plädoyer pro Open Source Marketing - andere Meinungen sind natürlich auch im Nachhinein willkommen!