Ich hab jetzt knapp 2 Monate Bewerbungsmarathon hinter mir. Viele Bewerbungen habe ich in dieser Zeit rausgeschickt; zu etlichen Vorstellungsgespräche oder zumindest Telefonate wurde ich gebeten. Dass man dabei einiges obskures, ärgerliches, wundersames erleben kann, brauche ich wahrscheinlich keinem Absolventen, der gerade selbiges durchmacht zu erzählen. Dennoch hier einige meiner interessantesten Begegnungen, damit ihr wisst: ihr seid nicht allein und es gibt sie einfach, die hyperkorrekten Personaler und die seltsamen, zerstreuten, man möchte manchmal fast sagen von jedwegen Wissen rund um Rekrutierungsgepflogenheiten freigesprochenen anderen ;)
Learning 1:
Zunächst hatte ich meinen Fokus auf die Werbebranche gelegt. Mit dem Wissen, dass man hier nicht sonderlich gut verdienen kann - zumindest nicht als Einsteiger - habe ich meine Gehaltsvorstellungen auf ein für mich gerade noch tragbares (man muss ja auch leben können) Minimum von 24.000 EUR heruntergeschraubt (ich weiß, auch dieser Betrag lässt bei manch einer Agentur noch große Augen entstehen). Doch mit dem Angebot einer in Nürnberg ansässigen Agentur hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. 12.000 EUR für eine Trainee Stelle im Projektmanagement mit 18 Monaten Laufzeit, bei guter Führung könnte man diese auf 12 Monate herunterarbeiten; die Frage nach den Arbeitszeit/-urlaubsbedingungen wurde mit einem „Das is doch unwichtig“ abgekanzelt - sorry Leute, aber dafür hab ich echt nicht studiert.
Man muss nicht alles machen und kann ein Angebot auch unter Mangel an Alternativen guten Gewissens ablehnen!
Learning 2:
Eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch nach Leipzig nach bereits erfolgtem Telefoninterview. Die Initiative ging hierbei keineswegs von mir aus, sondern von dem ladenden Unternehmen. Bei der Bezahlung der Fahrtkosten (immerhin 100 EUR, was für mich als bald Studentin kein Pappenstil ist) zeigte man sich dann wenig entgegenkommend. Zwei Monate habe ich per Mail mit einem von der Personalabteilung abgestellten Werkstudenten(!) diskutiert, inwieweit ich nun berechtigt sei, Fahrtkosten in voller Höhe rückerstattet zu bekommen. Da kamen interessanteste Ausreden und Vorschläge, warum nicht der volle Betrag gezahlt werden könne, dass eine ICE Fahrt unverhältnismäßig sei (auf einer Strecke, die anders mit den Öffentlichen wohlgemerkt nicht zu bewältigen ist), dass man nur Fahrten mit Bahncard 50 bezahle, und so weiter und so weiter… Endlose Diskussionen bis ich letztlich doch das mit zustehende Geld wieder auf meinem Konto hatte.
Ihr habt IMMER das Recht auf Fahrtkostenerstattung in Höhe einer Bahnfahrt 2. Klasse. Ausnahmen gibt’s nur, wenn der Einladende Einschränkungen bereits in der Einladung zum Gespräch erwähnt. Ansonsten kann man auf sein Recht beharren, denn die Firmen haben´s hundert pro dicker als ihr.
Hartnäckigkeit zahlt sich aus.
Wenn ich als Unternehmen nicht abgezockt werden will von Bewerbern, dann lasse ich mir ganz simpel immer die Originalbelege der Fahrt zusenden - so einfach ist das nämlich.
Learning 3:
Mit einer Berliner Agentur hatte ich ein Telefoninterview. Eine knappe halbe Stunde für eine Stelle, auf die ich mich initiativ beworben hatte - also nicht akut zu besetzen war -, die aber nach eigener Aussage für gute Leute jederzeit geschaffen werden könne. Geredet haben die Interviewer mehr als ich. Der für Runde zwei angesetzte Termin entpuppte sich nicht als Interview sondern lediglich als Jobzusage. Aber: keine feste Zusicherung des Jobs, lediglich ein unbestimmtes Vielleicht, sobald interne Umstrukturierungsprozesse abgeschlossen seien. Bis dahin könne man sich ja in einem Praktikum kennen lernen… keine persönliche Vorstellung, erstmal ein Praktikum - aha!
In der Agenturbranche kann es durchaus mal ein wenig anders laufen als erwartet.
Learning 4:
Aus eigener Initiative und auf eigene Kosten(!), denn die Agentur bezahlt in der Regel keine Fahrtkosten (haben ja alle kein Geld oder so), nach Berlin gefahren, um wenigstens das potentielle Arbeitsumfeld und die Kollegen mal anzuschauen (ich finde persönlichen Kontakt vor so einem Schritt doch sehr wichtig). Halbe Stunde vor dem Termin erhalte ich einen Anruf der Personalerin, meine Ansprechpartnerin habe einen anderen Termin und könne mich nicht treffen. Auch der ganze Nachmittag sei leider voll, man würde sich wieder bei mir melden.
Danke auch! Nein, kein Thema - ich fahr gern 400 Kilometer nach Berlin, gehe dekadent am Kuh´damm shoppen und fahr 400 Kilometer wieder zurück. Macht ja nix.
Danke, aber diese Art, mit Bewerbern umzugehen spiegelt wohl auch einen Teil Firmenpolitik wider und darauf kann ich dann auch verzichten (siehe 1: man muss sich nicht für alles hergeben) Gemeldet hat sich im Übrigen auch jetzt - vier Wochen nach diesem Debakel - keine Seele…
Soweit vom Suchen, bin gespannt, was noch so passiert, bis ich dann Teil II posten kann: Vom Finden des Traumjobs. Es bleibt also spannend! Wenn ihr auch etwas zum Thema obskure, amüsante, ärgerliche Rekrutierungsmethoden beitragen könnt - nur her damit ;)